Wenn wir die 2016er Weine im Glas haben, dann sollte auf das Weinbaujahr zurück schauen, denn der Wein im Glas ist eben das Produkt aus: Temperatur, Niederschlag, Höchst- und Tiefsttemperaturen sowie Sonnenstunden in diesem Jahrgang.

Wenn man sich mit den Winzern vor Ort unterhält dann bekommt man interessante Informationen, so ist ein Witterungsverlauf zum Standard geworden, der noch vor zwei Jahrzehnten als außergewöhnlich gegolten hätte. Die Sommer werden immer wärmer, der Winzer fürchtet den Trockenstress mehr als den Niederschlag. 2016 hat uns alle mal wieder daran erinnert, was für unsere Breitengrade noch vor wenigen Jahren als wesentlich klassischerer Witterungsverlauf gegolten hätte als die Vorjahre 2014 und 2015. Nur der schöne Spätsommers verdanken wir einen qualitativ sehr guten Jahrgang!

Die Weingüter die konsequent auf Mengenreduktion eine gesunde Balance gesetzt haben wurden letztendlich belohnt. Höhere Erträge eine gute physiologische Reife und Aromatik die sich im wärmeren Jahr 2015 noch lohnten wurden 2016 bestraft da die Ernte in der Regel geringer war. Eine ungewöhnlich späte Kaltfront traf weite Teile der europäischen Weinbauregionen zwischen dem 26. Und dem 30. April hart. Genau zu diesem Zeitpunkt war die Knospenschwelle und damit die Phase, in der die Rebe mit am Empfindlichsten ist. So wurden Ende April Minusgrade gemessen.  Christi Himmelfahrt überraschte mit 25! Grad. Die Eisheiligen machten Ihrem Name alle Ehre. Sehr hohe Niederschläge folgten in Mai und Juni machten den Winzern zu schaffen und förderten den Hauptfeind der Weingüter, den falschem Mehltau.
Im sonst so sonnigen und heissen August gingen die Temperaturen dann nochmals kurzfristig auf Talfahrt, es regnete es an mehreren Tagen.

Doch es folgte ein traumhafter Spätsommer ab Ende August, der uns bis weit in den Oktober hinein fast niederschlagsfreies, intensiv sonniges Klima bescherte. Im Weinberg ist dann die Zeit gekommen, wo man das Entblättern der Traubenzone beginnt.  Zunächst wurde nur die nach Norden zugewandte Seite dann die nach Süden gewandte Seite.

Die Hauptlese war besonders interessant, da sich die Mostgewichte über Wochen kaum noch veränderten. Anfang November startete die Lese der botrytisierten Rieslaner-Trauben und der Winter bescherte den meisten Winzern noch einen schönen Eiswein, was wollte man mehr.

Was die Winzer im Glas bringen werden wird wohl kein muskulöser oder mächtiger Jahrgang sein, dafür wird 2016 ein sehr eleganter, feingliedriger Jahrgang werden. Schön wäre es wenn sich die Winzer wieder darauf besinnen erst Weine ab dem Monat März in die Flaschen zu füllen, obwohl der Kunde schon am Tag der Lese nach dem ersten 2016er fragt.

Alte Rebsorten sind wieder im Trend, das konnte man feststellen. Der Verschnitt der vergangenen Jahre wurde genutzt um reinsortige Weine mit einer eigene Identität herzustellen, wie ein Gutedel aus dem Markgräfler Land oder ein Portugieser aus der Pfalz. Diese Weine sollte man probieren und sich eine eigene Meinung dazu bilden.

Ihr Weinfreund Michael Landrock

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