Was uns der Boden über den Wein verrät

Oft hören Sie, dass der Wein auf diesem und jenem Boden angebaut wurde, aber was heisst das denn für den Wein? Kann der Weinkenner daraus etwas erkennen oder gar erwarten? Im folgenden möchte ich Ihnen den einen oder anderen Boden etwas näher bringen:

Kalkboden
Generell leitet sich Kalk von Kalzium ab. Entstanden ist der „Kalk“  in den Ur-Meeren. Genau genommen sind das die Überreste von Austern, Korallen oder Muscheln. Wenn der Kalk weich ist spricht man von Kreide, andernfalls von Marmor. Oft findet man diesen Kalk in den Hanglagen. Kalzium und Magnesium sind feste chemische Bestandteile von Kalk und eignen sich sehr gut, um Weine mit einer guten Säure hervorzubringen.

Weisse Burgunder lieben den kalkhaltigen Boden besonders.

Mergel
Wenn Sie erfahren, dass der Boden des Weinberges aus Mergel besteht, können Sie wiederum ableiten, dass dies eine Verbindung aus Kalk, Ton und Sand ist. Dieser Bodentyp ist ein schwerer Boden, der jedoch fruchtbar ist. Der Boden hat einen hohen pH-Wert.

Exkurs zum pH-Wert bei Weinen: Der Winzer versucht seine Weine mit einem niedrigen pH-Wert zu vinifizieren, denn dann ist der Wein umso stabiler und gesünder. Ein hoher pH-Wert heisst, dass der Säureanteil niedriger ist. Je niedriger der Säureanteil, umso mehr muss der Winzer auf bestimmte Einflüsse im Keller achten, wie z.B. die Mikrobiologie und die Stabilität des Weines. Als Richtgröße können Sie, je nach Anbaugebiet, Rebsorte und Traubenreife, von einem pH-Wert zwischen 2,8 bis 4,0 ausgehen.

Weine aus dem Bodentyp „Mergel“ erbringen ebenfalls Weintypen mit einer guten Säure hervor.

Löss
Löss ist eine besondere Gesteinsformation. Diese wurde in der Eiszeit durch den hohen Druck des Eises erzeugt. Dabei wurde das darunter liegende Gestein pulverisiert. Diese Partikel sind weniger als 0,05 Millimeter gross und wurden durch die Winde oft in Lee Bereiche (windgeschützte Bereiche) der Weinberge verteilt. Lösspartikel können so aus Quarz-, Kalk- oder Lehm bestehen. Wenn man Wasser auf Kalk giesst, entsteht Lehm. Die Weine, die auf diesem Bodentyp entstehen, sind in der Regel säurearm aber reich an Nährstoffen, die sich im Wein als vollmundig wiederfinden.

Mergel-Ton-Sand Boden
Ton ist eine „plättchenförmige“ Masse, die durch eine elektrostatische Aufladung ihre Klebefähigkeit erhält. Er entsteht durch Verwitterungen von Feldspat des Granits und ist darüber hinaus gekennzeichnet durch Quarz und Glimmer.

Spricht man von fetten Böden, so ist mehr Ton als Sand (30%) im Boden. Von mageren Böden spricht man, wenn der Sandanteil höher ist als der Tonanteil. Hält sich Ton und Sand die Waage, so spricht man von Lehm. Die Ton-Böden haben die grosse Fähigkeit, Wasser zu speichern und weisen recht häufig einen hohen Gehalt an Kalium auf. Die Weine aus diesen Lagen sind vollmundig und kräftig.

Silex oder Feuerstein
Das sind graue bis schwarzfarbige Gesteinsbrocken einer feinkristallinen Quarzart, dem sogenannten Chalzedon. Betrachtet man diese scharfkantigen Gesteine genauer, dann sieht man eine weisse und poröse Oberfläche.

Diese kieselsäurehaltigen Bestandteile stammen von den Überresten frühzeitlicher Meeresbewohner. Die Kieselsäure macht den typischen Feuerstein Geschmack im Wein aus. Man findet diese Formationen z.B. in Frankreich an der Loire, die einmal eine Küstenline des Ur-Meeres war.