Am Jahresende hat hält man inne, um das vergangene Weinjahr 2012 Revué passieren zu lassen. Was waren die Highlights, welche Weine sind neu auf den Markt gekommen und welche Weine sind vom Markt verschwunden?

In Deutschland sehe ich einen klaren Trend zur Qualität. Gerade der Wein  des Jahres 2012 wird Deutschland qualitativ und auch weintechnisch ein erhebliches Stück nach vorne bringen. Erste Fassproben haben mir das Potenzial gezeigt, was wir 2013 im Glas erwarten dürfen. Das Thema Wein scheint den Deutschen wichtiger zu werden, denn sonst würden sich die Weinliebhaber nicht so mit diesem Thema beschäftigen. Was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass gerade die „Weineinsteiger“ auf dem Weg sind, mehr vom Wein verstehen zu wollen. Fragen, warum der Wein so oder so schmeckt, die Geschichte um das Weingut oder die Lagerung der Weine stehen im Vordergrund. Aber auch Rebsorten, die man wieder neu entdeckt hat, wie die Vielfalt der  Rebsorte Riesling.

Von einem Chinesen habe ich erfahren, dass es neben der Rebsorte noch zwei Gründe gibt, warum im Reich der Mitte hauptsächlich der feinherbe Riesling so hoch im Kurs steht: denn Riesling können die Chinesen ausprechen im Gegensatz zu Müller-Thurgau und der Riesling klingt im so wie der General. Zum Leidwesen für uns Deutsche haben wir eine weitere große Nation die etwas von unserem Riesling haben möchte.

Im Rotweinbereich zeigen uns quer durch die Republik die deutschen Winzer, was heute mit guten Böden, guten Lagen, guten Reben und hochwertiger Kellertechnik machbar ist. Wir können gespannt sein auf die Cuveés, die wir 2013 erleben werden. Die jungen Winzer sind jetzt dabei das Thema Cuveé neu anzugehen, da es in Deutschland ja nur erlaubt war rebsortenreine Weine zu keltern. Sagen wir mal fast, denn auch in der Vergangenheit war es erlaubt bis zu 15% eines anderen Weines beizumischen, ohne den Namen der Rebsorte auf dem Etikett zu verändern. Freuen Sie sich auf einen S…sprung aus dem Hause Dr. von Bassermann-Jordan, einen Win Win Rot von Winning oder einer Louise von Thomas Pfaffmann aus Bisserheim. Alle diese Weine haben eines gemeinsam, dass Sie ein Cuveé, also ein vom Weinmacher zusammengestelltes Verhältnis an verschiedenen Rebsorten darstellen.

Von einem müssen wir Verbraucher uns leider verabschieden, vom günstigen Wein, denn durch die aufwendigere Kellertechnik, die Barriquefässer und den kleinen Parzellen mit den Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Acolon, um nur einige zu nennen, entstehen den Weingütern ein höherer Aufwand wie bei der Ernte von nur einer Sorte.

Und was passiert mit den vielen kleinen Weingütern? Wenn ich mir die Entwicklung der Weinmarken näher betrachte, komme ich zum Schluss, dass es zukünftig immer mehr Weingüter geben wird, die sich entweder völlig aus der Eigenvermarktung verabschieden und ihre Ernten an große Weingüter verkaufen, oder noch mehr Fassweine zu den örtlichen Genossenschaften oder Weinaufkäufern abzugeben. Der Grund ist oben erwähnt, die Kunden sind anspruchsvoller geworden, wenn es um das Thema Wein geht. Die Verbraucher möchten mehr Qualität im Glas und das ist von den kleinen Weingütern oftmals nicht zu schaffen, da sie das Weingut nur noch im Nebenerwerb oder als Hobby führen.

So ist in den letzten Jahren ein klarer Trend hin zu neuen Vermarktungsformaten geschaffen worden. Die Probierstuben des letzten Jahrhunderts sind nicht mehr zeitgemäß. Heute wird über die Vinothek verkauft, die ein eigenständiges Lebensgefühl für die jeweilige Weinmarke schafft. Der Kunde zahlt so seine Probe und nimmt den Wein mit, der ihm am Besten geschmeckt hat.

Die Cru.de als online Weinhandel hat hier klare Tendenzen festgestellt. So werden die Weine des täglichen Bedarfs oft beim Lebensmitteleinzelhändler eingekauft, während die hochwertigen Weine über das Internet ihren Markt gefunden haben. Weinkunden lassen sich durch das Vertrauensverhältnis mit dem Onlineportal zu neuen Weinufern ein und können wenn es gar nicht gefällt immer noch die Weine einfach zurück senden.

Es bleibt spannend und am Ende möge der Bessere gewinnen.

Ihr Weinphilosoph

Michael Landrock